Die Spaterkrankung und ihre Entstehung

Die hier gemachten Angaben, beinhalten nur eine Beschreibung mit einfachen Worten, damit jeder Laie sich ein Bild machen kann. Sollte jemand genauere Angaben wünschen, kann er mir eine E- Mail schicken und seine Spezielle Frage stellen. Dann wird er nach einigen Tagen eine genauere Beschreibung oder einen Lösungsvorschlag erhalten.

Der Spat (Osteoathrosis tarsis)

Das_Tarsalgelenk_02Definiert wird der Spat als eine Art Begriffssammlung für alle akute oder auch chronische Schmerzzustände im Bereich des unteren straffen Sprunggelenkes. Betroffen sind die unteren 3 Gelenkreihen zwischen den 4 Ebenen.
1 die Unterseite des Talus auch Rollbein und Calcaneus Fersenbein genannt
2 die mittleren platten Tarsalknochen Os tarsi centrale und Os tarsale 1 und 2
3 die unteren platten Tarsalknochen Os tarsale 1, 2, 3, 4 (1+2 sind miteinander verwachsen)
4 das Röhrbein Os metatarsale und die Griffelbeine Os metatarsale 2 auf der Innen- sowie 3 auf der Außenseite.
Eine Erkrankung des Roll oder auch Sprunggelenkes ( Talokruralgelenk) der Sehne oder Sehnenscheide fallen in ein anderes Gebiet, obwohl die Schmerzdarstellung ähnlich ist.
Auch eine septische Erkrankung wird nicht dem Spat zugeordnet.

Beim Spat handelt es sich um eine aseptische Erkrankung der straffen Sprunggelenke (proximales Intertarsalgelenk, distales Intertarsalgelenk, Tarsometatarsalgelenk). Dort liegen die Gelenkflächen sehr dicht nebeneinander. Die Gelenkflächen werden aus hyalinem Knorpelgewebe gebildet. Dieser ist sehr strapazierfähig, bedarf aber einer Aufwärmephase vor der Belastung, um um ein Maximum an Stoßbrechung zu erreichen.
Bei Überbelastung kann es leicht zu kleinen Schäden im Knorpelgewebe kommen, welche sich nicht schnell genug (vor der nächsten Belastung) regenerieren können.

Mögliche Ursachen für solche Schäden sind z.B.:

Das beliebte Feilaufen aus der Box in die Halle und gasgeben (ohne langsames Aufwärmen)
Hartes Training im kalten Zustand
zu kurze Turnierintervalle ohne genügende Erholungsphasen
arbeiten auf hartem Untergrund
auch die genetische Voraussetzung spielt eine Rolle
und andere

Das Aufwärmen des Körpers vor der Beanspruchung ist von essentiellem Wert und sollte immer gemacht werden!

Das Knorpelgewebe wird nur durch mehrfache Kontraktion versorgt, da nur durch die Bewegung die Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) aufgenommen werden kann. Denn Knorpel wird nicht durchblutet und nur durch die Synovia ernährt!

Wie kann ein Laie Spat erkennen oder vermuten?

Diese Erkrankung ist im Anfangsstadium sehr schwer zu erkennen. Ein Verdacht liegt immer dann vor, wenn:
sich der Beschlag  im Zehenbereich der hinteren Gliedmasse stark abnutzt, die Schenkelenden des Beschlags aber noch keine oder nur geringe Anzeichen eines Verschleißes aufweisen.
Das Pferd braucht eine kurze Zeit um sich einzulaufen. Auch nach kurzen Pausen
sich ein schleifender Gang einstellt
allmähliches Höherwerden der Trachten
es bilden sich Verdickungen am Sprunggelenk medial oder auch lateral

Ein besseres Bild kann man durch eine Übersichtsbeugeprobe verschaffen.

- Beugung der Gelenke bis an die Grenze der normalen Beweglichkeit
- Aufrechterhaltung eines konstanten Drucks Druck etwa 20kp (Prof. Hertsch)

Achtung!!! Nicht "lahmbeugen"

- Dauer normalerweise 1 Minute.
- Spatprobe und Test auf Subluxation von Kreuzdarmbeingelenk evtl. 2 min.

Folgt nach der Beugung ein schnelles Absetzen der Gliedmasse auf die Zehe und ein stark verzögertes Durchtreten zur planen Fußung, ist das ein fast sicheres Zeichen für Spat.

Folgt ein langsames Absetzen ist ein meist ein Knie oder Hüftgelenk betroffen.

Das hier beschriebene ist eine Möglichkeit die Vermutung einer Spaterkrankung zu festigen.
Das Diagnostizieren dieser, bleibt dem Tierarzt überlassen, den nur er verfügt über Anästhesistische und Bildgebende Verfahren, welche dies ohne Zweifel bestätigen können.
Behauptungen von sogenannten Fachmännern, dass man einen Tierarzt zur Bestätigung des Spatverdachts nicht braucht, ist gelogen! Meist dient dies nur dem Verkauf eines unnötigen und teueren Spezialbeschlages mit Polster, Platten, Keilen oder ähnlichen Hilfsmitteln.

Der Beschlag ist bei der Erkrankung an Spat von außerordentlicher Wichtigkeit, denn ein an dieser Krankheit leidendes Pferd hat bei einem wirklich gut passenden Beschlag eine positive Zukunftsprognose.

Die enge Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied mit dem Pferdebesitzer ist hier von besonderer Wichtigkeit. Orthopädische Hufbeschläge sind ohne die Einhaltung der Anweisungen zur Haltung und Nutzung sinnlos.
Der klassische Beschlag für eine Spaterkrankung ist das Hufeisen nach Nyffenegger und Löhrer.
Bei diesen Eisen bekommt das Pferd für die Hintereisen eine gute Zehenrichtung, und an der höheren Belasteten Hornwand wird der Eisenschenkel verbreitert und weit gelegt. Der Schenkel der stärker belasteten Wand wird mit einem ca. 3mm dicken Blech unterlegt oder verdickt geschmiedet. Die Erhöhung soll vom Schenkelende bis zur Zehenmitte reichen. Die Entlastung kann man auch erreichen indem das Ausschneiden so gestaltet wird, dass die zu entlastende Seite mehr gekürzt wird. So hat man einen Natürlichen Keil aus Hufhorn und der Beschlag ist weniger Auffallend und kostengünstiger. Eigenartigerweise bringt  manchmal genau gegenteiliges Ausschneiden Erfolg.

Daher sollte ein guter Hufschmied immer variabel und neugierig bleiben und sich nie auf Schema F versteifen.
Der Beschlag muss über einen langen Zeitraum verwendet werden und wird dem Verlauf der Erkrankung ständig angepasst.
Auch ist bekannt, dass bei der Therapie von Spat mit großem Erfolg auch Kunststoffbeschläge zum Einsatz kommen, bei denen die Verdickung variiert wird, bis ein völlig unauffälliges Gangverhalten des Pferdes erreicht ist.
Und nicht immer kann es nur das Hufeisen sein!

Hufschmiede Saarbrücken
[Hufrollensyndrom] [White Line Disease] [Hufrehe] [Chronischer Spat] [Zusammenhangstrennung] [Fohlenerkrankungen]