Hufrollensyndrom

Facharbeit ĂŒber das Hufrollensyndrom

von

Siegfried Fischer

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Inhaltsverzeichnis

1.  Grundlagen

  • 1.1  Woraus besteht die Hufrolle?
  • 1.2  Was ist ihre Aufgabe?
  • 1.3  Was begĂŒnstigt die Erkrankung?
  • 1.4  Wie entsteht die Krankheit?
  • 1.5  Was sind die ersten Anzeichen?

2.  Die Erkrankung und Therapie

  • 2.1     Wie kann man die Krankheit erkennen?
  • 2.2     Wer kann dabei helfen?
  • 2.2.1  Mit Hilfe des Hufschmiedes
  • 2.2.2  Mit Hilfe des Tierarztes

3.  Befunde welche den Verdacht bestĂ€tigen

  • 3.1  Röntgenbefunde, die eine Podotrochlose wahrscheinlich machen
  • 3.2  Röntgenbefunde, die eine Erkrankung sehr wahrscheinlich machen
  • 3.3 Befunde anderer Untersuchungsverfahren, die eine Podotrochlose sehr
  • wahrscheinlich machen

4.  Was kann dagegen getan werden?

  • 4.1  Beim Beginn der Therapie
  • 4.2  Bei sichtbaren StrahlbeinverĂ€nderungen
  • 4.3  WeiterfĂŒhrende Therapien / operative Eingriffe

5.  Ablauf der Bewegung

6.  Beschlag und KĂŒrzungsmöglichkeiten

  • 6.1  Die Korrektur beim KĂŒrzen 
  • 6.2  Die Optimierung des Abrollpunktes
  • 6.3  Die VergrĂ¶ĂŸerung der UnterstĂŒtzungsflĂ€che
  • 6.4  Beschlag nach Hertsch
  • 6.5  Die Stoßbrechung
  • 6.6  Der Kunststoffbeschlag

7.  Fallbericht

  • 7.1  Um was fĂŒr ein Pferd handelt es sich
  • 7.2  Wie wurde es beansprucht
  • 7.3  Wie bemerkte man die Erkrankung
  • 7.4  Was wurde vom Tierarzt gemacht
  • 7.5  Welche BeschlĂ€ge wurden probiert
  • 7.6  Welcher Beschlag brachte den Erfolg
  • 7.7  Bilder vom heutigen Beschlag

8.  Abschlussbemerkung

9.  Angabe der Quellen

 

1.  Grundlagen

1.1  Woraus besteht die Hufrolle?

Die Hufrolle liegt im palmardistalen Bereich des Hufgelenkes und wird aus:

  • Hufbein (phalnax distalis),
  • Kronbein (phalnax media),
  • Strahlbein (os sesamoideum distalis), 
  • dem Hufrollenschleimbeutel (bursa podotrochlearis),
  • der tiefen Beugesehne (tendo musculus flexor digitalis profundus)
  • den Fesselbein-Strahlbein-HufbeinbĂ€ndern  (ligamentum sesamoideum collaterale)
  • und dem Strahlbein-Hufbeinband (ligamentum sesamoideum distale impar).

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Das Strahlbein ist ein kleiner schiffchenförmiger Knochen. Bei diesem ist die palmare GleitflĂ€che mit hochfestem Faserknorpel ĂŒberzogen. Dieser schĂŒtzt das Strahlbein so vor starker Abnutzung durch die tiefe Beugesehne. Ebenso befindet sich ein Schleimbeutel zwischen dem Hufbein und der tiefen Beugesehne, welcher die Aufgabe der Polsterung und Schmierung ĂŒbernimmt. FĂŒr die Positionierung des Strahlbeines sind drei HaltebĂ€nder verantwortlich.

Da meistens mehrere Komponenten der Hufrolle betroffen sind, spricht man vom Hufrollensyndrom oder von Prodotrochlose. In der Regel sind nur die Vordergliedmaßen betroffen, da diese die grĂ¶ĂŸte Last tragen.

1.2  Was ist ihre Aufgabe?

Die Aufgabe der Hufrolle ist die VergrĂ¶ĂŸerung der UmlenkflĂ€che und somit Last- und Reibungsreduzierung der tiefen Beugesehne auf dem Strahlbein.

1.3  Was begĂŒnstigt die Erkrankung?


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  • Zu kleine Hufe (z. B. Trachtenzwang).
  • Niedrige untergeschobene Trachten (kein ausreichender Platz fĂŒr das Hufpolster und daraus resultierender Überbelastung).
  • Erbliche genetische Komponenten.
  • Lange Zehen und hohes Gewicht (behindert das Abrollen des Hufes und ĂŒberlastet den Bandapparat).
  • Falsche Reitweise (z. B. keine Versammlung- daher keine Spannung im RĂŒckenband u. in der Bauchmuskulatur und somit keine Entlastung der Vorderhand).
  • Überbelastung (Springen, Cutting, Barrellrace Überbeanspruchung beim Distanzreiten etc.).
  • Lokale Durchblutungsstörung (z. B. bei unsachgemĂ€ĂŸem Bandagieren)
  • Bewegungsmangel (Knorpel kann sich nicht ernĂ€hren).
  • AngezĂŒchtete Bewegungsmuster.
  • VerĂ€nderungen des Strahlbeins in seiner Ă€ußeren Form/ Kontur.
  • VerĂ€nderungen der Dichte des Strahlbeines (Verdichtung = Sklerosierung oder Aufhellung = Osteoporose).
  • MĂ€ngel in der Aufzucht (mangelhaftes Futter ergibt oft eine schlechte Knochensubstands).
  • Traumen.
  • Hufpolsterabbau durch mangelnde Durchblutung (zu langes Bandagieren).

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     Links ein geschĂ€digtes Hufpolster rechts ein intaktes    

1.4  Wie entsteht die Krankheit?

Bei intensiver Belastung kann es durch die starken ErschĂŒtterungen (im Strahlbein/ Beugesehnenbereich) und zu tiefem Einsinken der Trachten bei weichem GelĂ€uf (Erhöhung des Beugesehnendrucks) zu einer Überbelastung und EntzĂŒndung des Hufrollenschleimbeutels kommen. Meist tritt dies im Alter von 4-15 Jahren bei WarmblĂŒter, VollblĂŒter, QHs und Reitpferden auf. Dadurch verĂ€ndert sich die Synovia krankhaft, die Reibung wird grĂ¶ĂŸer und die Struktur des Strahlbeines verĂ€ndert sich. image008

 Gesunde SehnengleitflĂ€che           Krankhaft verĂ€nderte SehnengleitflĂ€che

Die SehnengleitflÀche am Strahlbein wird rau und die tiefe Beugesehne reibt dadurch mehr daran, was der Beginn eines Teufelskreises ist. Ohne rechtzeitige Abhilfe sind der Ausfall des Pferdes und dessen Schmerzen unausweichlich.

Einmal zerstörter Knorpel kann nicht mehr wiederhergestellt werden!

Daher sollte sich jeder Besitzer darĂŒber Gedanken machen ob ein Freispringen in der Halle ohne vorheriges AnwĂ€rmen, dem Pferd auf Dauer Freude bereitet. Der Hufschmied sollte daher in seinem BeratungsgesprĂ€ch die Geschichte des zu beschlagenen Pferdes geschickt hinterfragen und dann mit FeingefĂŒhl auf alle MissstĂ€nde hinweisen und Lösungen oder Alternativen aufzeigen.

 In extremen FĂ€llen kann es zu einer Verwachsung der tiefen Beugesehne und dem Strahlbein kommen. Bei erneuter Belastung fĂŒhrt dies zum Abriss und Unbrauchbarkeit des Pferdes.

Am Strahlbein selber kann es zum Knochenabbau kommen, den man bei Röntgenaufnahmen gut erkennen kann. An der Spitze der GefĂ€ĂŸlöcher kommt es zu kreisförmigen Aushöhlungen, welche als sogenannte „Lollipop lesions“ zu erkennen sind. Auch kann es zu einer VerĂ€nderung der Knochendichte kommen.
Weitere Varianten der Hufrollenerkrankung können eine Strahlbeinfraktur/ -fissur (in Verbindung mit einer Überbeinbildung oder aufrauen des Knochen), eine Verletzung der tiefen Beugesehne an ihrem Ansatzpunkt sein.

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Auch ein Nageltritt kann verantwortlich fĂŒr das Auftreten der Krankheit gemacht werden, da seine zerstörerische Kraft viele Teile der Hufrolle in Mitleidenschaft ziehen kann. Alle fĂŒhren zu Symptomen der Hufrollenerkrankung.


1.5  Was sind die ersten Anzeichen?

  • Wendeschmerz auf hartem Boden.
  • Stumpfer Gang, v.a. auf hartem Boden.
  • Schwache Leistung.
  • Gangunwille.
  • Lahmheit unterschiedlicher IntensitĂ€t auf einer oder beiden Vordergliedmaßen.
  • Lahmheit manchmal intermittierend.
  • Pulsation der Mittelfuß- bzw. Zehenarterien.
  • Entlastungshaltung im Stand.
  • Schmerzhaftigkeit in der Mitte des Strahles.
  • Trachtenschmerz unklarer Herkunft.
  • Schmerzen bei der Brettprobe

2.  Die Erkrankung und die Therapie

2.1  Wie kann man die Krankheit erkennen?

Das Hufrollensymdrom kann viele Gesichter haben. Außerdem ist eine relativ große Zahl anatomischer Strukturen beteiligt, was die Diagnose auch fĂŒr den Fachmann nicht immer einfach macht. Daher sollte bei ersten Anzeichen immer ein geeigneter Tierarzt hinzugezogen werden! Nur mit dessen Hilfe kann eine eindeutige Diagnose gestellt werden.

2.2  Wer kann mir dabei helfen

Behilflich sind der gute Sachverstand eines Bereiters,ein gut ausgebildeter Hufschmied und zur letzten Absicherung aller Vermutungen, der Tierarzt des Vertrauens.

Grundlegendes

Die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Trainer, Besitzer und Hufschmied ermöglichen den Erfolg der Therapie und machen somit das Wohlbefinden des Pferdes aus. Eine ausgiebige Beratung des Pferdebesitzers durch den Tierarzt hinsichtlich eines dem Befund angepassten Trainings und die RĂŒckmeldung des Pferdebesitzers an den Hufschmied bezĂŒglich des Beschlages sind unumgĂ€nglich und Grundvoraussetzung.

„Miteinander arbeiten, nicht nebeneinander!“

Denn eine Rettungskette ist nur so gut wie ihr schwÀchtes Glied.

2.2.1  Mit Hilfe des Hufschmiedes kann man folgendes durchfĂŒhren:

  • Die Arbeit auf dem Hufbock wird bei erkrankten Pferden oft als schmerzhaft empfunden und kann so schon als erster Hinweis dienen.
  • Lahmheitsuntersuchung (Takt und Gangbild).
  • Hufzangenprobe (AbdrĂŒcken des Hufes im Strahl und Trachtenbereich).
  • VorfĂŒhrung in Bewegung

2.2.2  Mit Hilfe des Tierarztes kann man folgendes durchfĂŒhren:

  • Keil oder auch Brettprobeprobe (Vorsicht -bei seitlicher angesetzter Probe kann das Pferd noch Stunden danach eine Lahmheit zeigen)image013
  • Tiefe PalmarnervenanĂ€sthesie (TPA).
  • Mittlere PalmarnervenanĂ€sthesie (MPA).
  • Ramus pulvinus – InfiltrationsanĂ€sthesie.
  • BursaanĂ€sthesie meist HufgelenksanĂ€sthesie.
  • Ultraschall, CT und Szinti.
  • Magnetresonanz Tomografie (MRT)
  • Röntgenuntersuchung.

 

Wichtig ist hierbei:

Eine Beurteilung kann nur erfolgen, wenn die Bilder eine ausreichende QualitĂ€t besitzen. HierfĂŒr muss das Eisen abgenommen, der Huf vor dem Röntgen ausgeschnitten, gesĂ€ubert und mit Kitt ausgeschmiert werden! FĂŒr die Röntgenuntersuchung des Strahlbeines sind die sog. Oxspring – sowie Skyline – Aufnahmen von besonderer Bedeutung. 

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Hier eine Oxspring Aufnahme

3.  Befunde welche den Verdacht bestĂ€tigen

3.1  Röntgenbefunde, die eine Podotrochlose wahrscheinlich machen:

  • VerĂ€nderungen des Strahlbeins in seiner Ă€ußeren Form/ Kontur.
  • VerĂ€nderungen der Dichte des Strahlbeines (Verdichtung = Sklerosierung;
  • Aufhellung = Osteoporose).
  • Abnorme Anzahl von GefĂ€ĂŸkanĂ€len im Strahlbein (4 – 6 GefĂ€ĂŸkanĂ€le sind bei Pferden < 10 Jahren als normal einzustufen).
  • Abnorme Form und GrĂ¶ĂŸe der GefĂ€ĂŸkanĂ€le (Lolipops).
  • Keine deutliche Abgrenzung zwischen Knochenrand und Kern des Strahlbeines.

3.2  Röntgenbefunde, die eine Erkrankung sehr wahrscheinlich machen:

  • Strahlbeinzysten.
  • Alte Fissur-/ Frakturlinien im Strahlbein.
  • Zustand nach Fissur/ Fraktur, wobei die Knochenheilung nur unter Überbeinbildung erfolgte (Osteophyten/ Exostosen am Strahlbein).

3.3 Befunde anderer Untersuchungsverfahren, die eine Podotrochlose sehr wahrscheinlich machen wie z. B. die szintigrafische Diagnostik

  • Unruhige Struktur des Strahlbein – Hufbeinbandes .
  • Unruhige Struktur der Strahlbein – Hufbein – FesselbeinbĂ€nder.
  • Verdickung der Bursawand.
  • Abnorme FĂŒllung der Bursa podotrochlearis.
  • Abnorme Zusammensetzung der aus der Bursa gewonnenen Synovia.
  • Erhöter Innendruck der Bursa podotrochlearis (dies ist eine neue Methode)

Das Hufrollensyndrom ist seiner Natur nach, eine oft schon chronische und degenerative  Erkrankung (d.h. mit Funktionsverlust einhergehend).
Es ist möglich, dass Anteile der Hufrolle akut und nicht degenerativ erkranken. Dies fĂ€llt dann noch nicht unter „Hufrollensyndrom“ – kann aber darin enden!

4.  Was kann dagegen getan werden?

4.1  Beim Beginn der Therapie:

  • image019Mit einer geeigneten Reitweise die Körperspannung erhöhen und so die Vorderhand entlasten (vom Reiter)
  • Beim KĂŒrzen der Hufe ist darauf zu achten, dass die Zehe so stark wie möglich beschnitten wird und die Trachten geschont werden
  • (v. Hufschmied)
  • Mit Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) den Schmerz nehmen (v. Tierarzt)
  • Bei akutem Schmerz Boxenruhe geben (v. Tierarzt) 
  • SpĂ€ter wohldosiertes Training auf geeignetem Boden (vom Reiter)
  • Chondroprotektiva = KnorpelschutzprĂ€parate (v. Tierarzt)
  • Heparin fördert die Durchblutung (v. Tierarzt)
  • HyaluronsĂ€ure ins Gelenk gespritzt, soll die ViskositĂ€t der GelenkflĂŒssigkeit und die GleitfĂ€higkeit des Knorpels verbessern, außerdem dessen Stoffwechsel und ErnĂ€hrung unterstĂŒtzen (v. Tierarzt)
  • Lokale Behandlung von Bursa und/ oder Hufgelenk (Kortison u. IRAP) (v. Tierarzt)
  • Begleitend soll ein geeigneter Beschlag vom Hufschmied in enger Absprache mit dem behandelten Tierarzt angebracht werden (v. Hufschmied)

4.2  Bei sichtbaren StrahlbeinverĂ€nderungen:

  • Calcitonin (fördert die Kalziumeinlagerung in den Knochen).
  • Tildren (hemmt die Knochen abbauenden Osteoklasten).
  • Stoßwelle.

4.3  WeiterfĂŒhrende Therapien wĂ€ren operative Eingriffe wie z. B.:

  • Durchtrennung des UnterstĂŒtzungsbandes der tiefen Beugesehne.
  • Durchtrennung der Strahlbein – HufbeinbĂ€nder.
  • arthroskopische Begradigung der StrahlbeinflĂ€che (Debridement)
  • radikalste Methode: Nervenschnitt der Rami palmares lat. et med. (Neurektomie*)

*Die Neurektomie gilt als zweifelhafte und ĂŒberholte Methode, derer mögliche  Nebenwirkungen sind:

  • Tumorwachstum (Neurinom)
  • verĂ€ndertes Gangbild durch verĂ€nderte SensibilitĂ€t (kein Tastsinn)
  • andere Erkrankungen, wie Hufabszess oder sogar Frakturen, werden nicht mehr erkannt, da das Schmerzempfinden verĂ€ndert ist
  • Schmerz trotz OP durch kleine NervenĂ€ste noch vorhanden

5.  Ablauf der Bewegungimage021

Wenn das Pferd auffußt (1 StĂŒtzbeinph.), dringt der hintere Bereich des Hufes mehr in den Boden ein. Dabei werden die Gelenke gestreckt, die Sehnen stehen unter höchster Spannung und das erkrankte Pferd verspĂŒrt Schmerzen. Wenn anschließend der Huf durchgedrĂŒckt (2 StĂŒtzbeinph.) wird und sich die Fessel wieder aufrichtet, reibt die tiefe Beugesehne am Strahlbein, was den Schmerzzustand noch einmal erhöht. Es gilt also, das Einsinken der Trachten zu verhindern und das Abrollen zu verbessern. Dieses kann man durch verschiedene HufbeschlĂ€ge erreichen.

 

6.  Beschlagmöglichkeiten:

Bei der Wahl des Beschlages spielt die Haltung und spĂ€tere Nutzung eine wesentliche Rolle. Generell gilt es, beim Beschlag von Pferden, die am Hufrollensymdrom erkrankt sind, folgendes zu beachten, denn das ideale “Hufrolleneisen” gibt es nicht. Jeder Huf muss individuell nach seinen BedĂŒrfnissen oder VerĂ€nderungen beschlagen werden. Die Pferde versuchen  die Trachten zu entlasten. Es gilt also, das Einsinken der Trachten zu verhindern und das Abrollen zu verbessern. Der zum Erfolg fĂŒhrende Beschlag kann aus einer Komponente bestehen oder aber aus einer Kombination von Möglichkeiten.

6.1 Die Korrektur beim KĂŒrzen 

Die Zehe stark beschneiden und die Trachten erhalten oder aufbauen um eine gĂŒnstigere Fesselwinkelung zu erhalten. Die Fesselstands- Theorie sollte nach Möglichkeit beherzigt werden, da ein Hochstellen eine Überlastung der Trachten und VerkĂŒrzung der TBS zwangsweise mit sich bringt. Eine Belastungsverteilung wobei der Strahl mit zum Tragen genutzt wird, kann leider nicht bei allen Pferden genutzt werden.

6.2  Die Optimierung des Abrollpunktesimage023

Der Abrollpunkt sollte möglichst dicht an die Hufbeinspitze gelegt werden da die Pferde beim Abfußen die meisten Schmerzen empfinden. Durch zurĂŒcklegen der Vordereisen mit Zehenrichtung ist dies leicht zu bewerkstelligen. So bringt man den Fuß schneller zum Abrollen, was eine erhebliche Entlastung im Bereich der Hufrolle bedeutet. Mit einem NBS – Beschlag, oder aber auch mit einem Vordereisen und zwei seitlichen AufzĂŒgen kann dieser Effekt erreicht werden.

6.3  Die VergrĂ¶ĂŸerung der UnterstĂŒtzungsflĂ€che

Schlusseisen, Herzeisen, Eiereisen und Stegeisen finden hier Verwendung. image025Diese Eisen haben einen dynamischen Effekt auf weichem Boden, auf dem die meisten Pferde gehalten und gearbeitet werden. Die Wirksamkeit dieser Hufeisen liegt in der VergrĂ¶ĂŸerung der UnterstĂŒtzungsflĂ€che, um so ein Einsinken der Trachten zu verhindern. Dies bedeutet weniger Streckung der Gelenke und Lastreduzierung der tiefen Beugesehne.

 Eine VergrĂ¶ĂŸerung der UnterstĂŒtzungsflĂ€che kann auch durch Eisen mit langen und/oder verbreiterten Schenkeln erreicht werden.

6.4  Beschlag nach Hertsch

Der Huf wird korrekt nach der Fesselstands Theorie gekĂŒrzt, unbeachtet von Verstellungen oder des Alters vom Pferd. Das Hufeisen bekommt ein exakt gerades Zehenteil, eine starke angeschmiedete Zehenrichtung und wird bis ca. an die weiße Linie zurĂŒckgesetzt. So lĂ€uft die Abrollbewegung genau ĂŒber die Zehenmitte. Der Steg wird etwa am Anfang des letzten Strahldrittels in das Eisen gesetzt. Es sollten mindestens 3 mm Freiraum zwischen Steg und Strahl bleiben, damit der Hufmechanismus intakt bleibt.

6.5  Die Stoßbrechungimage027

Im akuten Fall der HufrollenentzĂŒndung kommt es auf eine gute stoßbrechende Polsterung an. Dies wird durch ein sehr weiches PU-Polster unter einer Platte erreicht, welches im Strahlbereich und der Trachten wirken sollte. Bei empfindlichen Pferden kann es auch durch das Polster zu einem Sohlendruck kommen. Bei diesen sollte man auf das Polster verzichten, und stattdessen eine Kunststoffplatte mit Teilpolster oder eine andere Beschlagsvariante benutzen. Hier ein Lederpolster, welches nur den Tragerand schĂŒtzt.
 

6.6  Der Kunststoffbeschlag

Eine weitere Variante wĂ€re ein Kunststoffbeschlag, der sich vom KĂŒrzen her nur gering vom Eisenbeschlag unterscheidet. Die TragflĂ€che innerhalb der weißen Linie ist breiter, als beim Hufeisen. Der PU Beschlag bringt einige positive Eigenschaften mit sich, wie z. B. die stoßbrechende Wirkung und die vergrĂ¶ĂŸerte AuflageflĂ€che im Strahlbereich bei geringem Gewicht. Das Einsinken im Trachtenbereich wird weitgehend vermieden und der Hufmechanismus wird sowohl horizontal als auch vertikal ermögliht.

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7.  Fallbericht

7.1  Um was fĂŒr ein Pferd handelt es sich

In diesem Fall handelt es sich um eine Quaterhorsestute im Alter von 11 Jahren. Sie ist vom GebĂ€ude her ein hochrechteckiges Pferd mit raumgreifender Hinterhand. Von vorne gesehen steht sie am Boden regelmĂ€ĂŸig bei etwas zehenweiter Stellung. Die Karpalgelenke sind ein wenig nach innen geknickt und die vorderen Hufe an der Krone medial eingesetzt. Von der Seite betrachtet steht sie leicht vorstĂ€ndig, hat einen flachen Zehenwinkel und untergeschobene Trachten. Dazu kam, dass der linke Huf flacher und breiter war – der Rechte steil und eng.
Alles ungĂŒnstige Voraussetzungen fĂŒr eine frĂŒhzeitige Hufrollenerkrankung.

7.2  Wie wurde es beansprucht

Sie wurde im Westernstil geritten und auf Turnieren bei schwierigen PrĂŒfungen regelmĂ€ĂŸig vorgestellt. Das war auf Dauer eine zu hohe Belastung, daher wird sie heute nur noch als Freizeitpferd genutzt.

7.3  Wie bemerkte man die Erkrankung

Bei ihr wurde vor 6 Jahren, das Hufrollensyndrom festgestellt. Zu Beginn der Erkrankung zeigte sie erst einen verhaltenen Gang und eine geringe Lahmheit in weichem GelĂ€uf. Nach einigen Tagen Stallruhe verschwanden die Anzeichen, kehrten aber rasch bei Belastung in weichem Boden zurĂŒck.

7.4  Was wurde vom Tierarzt gemacht

Nach Hinzuziehung des Tierarztes wurde eine Brettprobe gemacht, diese fiel leider positiv aus ,was eine Erstellung von Röntgenbildern unumgÀnglich machte. Nach ihrer Auswertung zeigten sich schon VerÀnderungen am Strahlbein. Danach verabreichte der TA. Medikamente (wie im Vorfeld beschrieben) und verordnete einen Hufrollenbeschlag mit Eiereisen.

7.5  Welche BeschlĂ€ge wurden probiertimage036

  • Anfangs wurden die Hufe an der Zehe gekĂŒrzt und an den Trachten geschont. Mit Eiereisen und starker Zehenrichtung beschlagen, um den Huf gut zu unterstĂŒtzen und das Abrollen zu erleichtern. Leider trat sie sich diesen Beschlag mehrfach ab. Um andere Verletzungen nicht zu provozieren, entschied man sich fĂŒr einen kurzen Beschlag
    .







     
  • image038Also versuchte man es mit MBS Hufeisen zur Optimierung des Abrollpunktes, was leider auch nicht das gewĂŒnschte Ergebnis brachte. Die Stute wurde öfter auf weichem Untergrund geritten, was eine VergrĂ¶ĂŸerung der AuflageflĂ€che erforderte.







  • image039Somit war ein Beschlag mit  normalen Hufeisen, angebogener Zehenrichtung, Steg, Platte und Polster eine naheliegende Lösung. GekĂŒrzt wurde wie beim ersten Beschlag. Das Laufverhalten verbesserte sich enorm. Allerdings kam es schnell zur StrahlfĂ€ule und so schloss sich eine komplett geschlossene Platte aus.






    7.6  Welcher Beschlag brachte den Erfolgimage051

Erst ein Beschlag mit Marathonkeilen und Rollereisen, einem kleinem Polster bei zurĂŒck- gelegtem Abrollpunkt, brachte das Wohlbefinden des Pferdes rasch zurĂŒck. Das Ausschneiden der Hufe wurde wie folgt geĂ€ndert. Da der linke Huf flacher war, wurde dieser stĂ€rker an der Zehe gekĂŒrzt als der Rechte. Die Trachten wurden an beiden Hufen nur soweit beschnitten, bis sie wieder tragfĂ€hig waren. Der Strahl wurde zum Tragen gebracht und erholte sich schnell. Da er durch die spezielle Form der Keilplatte wieder beansprucht und besser durchblutet wurde.





Der Huf kann jetzt leichter gesĂ€ubert werden und die StrahlfĂ€ule ging stark zurĂŒck. image042



Durch das KĂŒrzen der Trachten und Nutzen der Keilplatte konnten lĂ€ngere Hufeisen genutzt werden, ohne den Fesselstand negativ zu beeinflussen. Somit gibt es keine Möglichkeit zum Abtreten des Hufeisens. Dennoch muss der Beschlag kurzgehalten werden, da es sich um ein hochrechteckiges Pferd mit raum- greifender Hinterhand handelt.





Seit diesem Zeitpunkt wird der Beschlag alle 7 bis 8 Wochen erneuert, um ein ungĂŒnstiges Zehen / TrachtenverhĂ€ltnis zu vermeiden und die Schmerzfreiheit zu erhalten.

7.7  Bilder vom heutigen Beschlag

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Beschlag mit Meisterroller und Marathonkeilen

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Seitenansicht

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Ansicht der Trachten

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Ansicht von Vorn

8.  Abschlussbemerkung

Heute wird die Stute nur noch in der Freizeit geritten und mit Koppelgang gehalten. Diese abgestimmte Nutzung und Pflege des Pferdes liefert ein gutes Beispiel fĂŒr die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Hufschmied, Reiter und Besitzer. So  gewĂ€hrleistet diese perfekte Pflegekette eine fast schmerzfreie Zukunft der Stute ĂŒber mehrere Jahre hinweg.

9.  Angabe der Quellen

Die Daten und Bilder stammen aus:

  • BĂŒchern wie:
  • AdamÂŽs „Lahmheit bei Pferden“,
  • Hickman „Der richtige Hufbeschlag“,
  • Christopher Pollitt „Farbatlas Huf“,
  • Rob van Nassau „Hufprobleme beim Pferd“,
  • Wissdorf, Gerhards, Huskamp und Deegen „Anatomie und PropĂ€deutik des Pferdes“
  • Dr. Hermann Ruthe  „Der Huf“

Dem Internet:
Pferdeklinik Grossostheim mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Christian Bingold
Praxis Dr. Gert MĂŒller in Bad Grönenbach
TierĂ€rztlichen FakultĂ€t der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen
Wikipedia
PM Huftechnik

Unterlagen der Rheinischen Hufbeschlagschule in Sessenbach

Und eigenen Unterlagen und Bilder

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